
Es gehört zu den Eigenheiten der Energiemärkte, dass sie ihr Lieblingsthema regelmäßig wechseln. Noch vor wenigen Wochen schien jedes neue Signal aus dem Nahen Osten kursentscheidend zu sein. Heute dominieren wieder Wetterprognosen, Wechselkurse und Zinserwartungen die Schlagzeilen. Der Markt hat das Kapitel nicht geschlossen – er hat es lediglich vorerst beiseitegelegt.
Die Korrektur der vergangenen Wochen fiel dabei kräftiger aus, als viele Marktbeobachter erwartet hatten. Auch wir hatten damit gerechnet, dass sich die geopolitischen Risikoaufschläge langsamer abbauen würden. Tatsächlich sorgten die schrittweise Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus, wieder höhere Gaslieferungen aus Norwegen sowie ein überraschend starker US-Dollar für Abwärtsdruck an den Energiemärkten. Auch das gehört zur Wahrheit.
Ebenso gehört zur Wahrheit aber auch ein zweiter Blick auf die Zahlen. Während der Ölpreis inzwischen nahezu wieder auf dem Niveau vor Ausbruch des Nahostkonflikts notiert, gilt das weder für Strom noch für Erdgas. Beide Märkte haben einen Großteil ihrer zwischenzeitlichen Aufschläge wieder abgegeben, liegen aber weiterhin spürbar oberhalb ihrer Notierungen von Ende Februar. Von einer vollständigen Rückkehr zur Ausgangslage kann daher keine Rede sein. Anders formuliert: Ein Teil der geopolitischen Unsicherheit wurde ausgepreist, vollständig verschwunden ist sie jedoch nicht.
Dass der Markt momentan andere Themen bevorzugt, zeigte sich in der vergangenen Woche eindrucksvoll am Beispiel des Strommarktes. Ausgerechnet die erste große Hitzewelle des Sommers sorgte zeitweise für erhebliche Preissprünge. Hohe Temperaturen, eine ausgeprägte Windflaute und gedrosselte Kernkraftwerksleistungen in Frankreich reichten aus, um die Spotpreise deutlich ansteigen zu lassen. Gleichzeitig machten niedrige Pegelstände am Rhein wieder deutlich, wie schnell selbst logistische Engpässe Einfluss auf die Energieversorgung nehmen können. Kaum kühlte das Wetter ab und nahm die Windstromproduktion wieder zu, entspannte sich die Situation allerdings ebenso schnell.
Kurzfristig spricht deshalb durchaus einiges für eine Fortsetzung der ruhigeren Marktphase. Die Gasspeicher werden weiter befüllt, Norwegen liefert zuverlässig und auch die LNG-Transporte durch die Straße von Hormus normalisieren sich Schritt für Schritt. Das kann den Märkten in den kommenden Wochen sogar Spielraum nach unten eröffnen.
Unsere Aufmerksamkeit richtet sich jedoch zunehmend auf den Zeitraum danach. Erfahrungsgemäß beginnt der Markt spätestens im August damit, den kommenden Winter zu handeln. Und genau dann dürfte der Blick wieder verstärkt auf die Gasspeicher fallen. Während Europa mit einem Füllstand von inzwischen 48,62 % aufholt, liegt Deutschland mit lediglich 41,21 % weiterhin deutlich zurück. Gerade weil Deutschland innerhalb Europas eine Schlüsselrolle bei der Gasversorgung einnimmt, dürfte dieser vergleichsweise niedrige Speicherstand in den kommenden Wochen wieder stärker in den Fokus rücken. Bis zum Beginn der Heizperiode bleibt noch Zeit – der Spielraum für Rückschläge ist jedoch begrenzt. Genau darin sehen wir das größte Preisrisiko für die zweite Jahreshälfte.
Deshalb halten wir an unserer grundsätzlichen Einschätzung fest. Kurzfristig schließen wir allerdings weitere Preisrückgänge ausdrücklich nicht aus. Mittel- und langfristig sehen wir die größeren Risiken unverändert auf der Oberseite. Nicht die geopolitischen Schlagzeilen allein, sondern vor allem die Ausgangslage für den kommenden Winter spricht aus unserer Sicht dafür, dass zumindest bei Erdgas, das Frontjahr im weiteren Jahresverlauf wieder deutlich oberhalb des heutigen Niveaus notieren dürfte.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Woche zum Durchatmen – sowohl mit Blick auf die Temperaturen als auch auf die Energiemärkte.
Beste Grüße
Patrick Bessero
Die außergewöhnliche Hitzewelle hat in der vergangenen Woche eindrucksvoll gezeigt, wie sensibel das europäische Stromsystem inzwischen auf das Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren reagiert. Neben einer deutlich höheren Stromnachfrage führten reduzierte Kernkraftwerksleistungen in Frankreich sowie niedrige Rheinpegel zeitweise zu zusätzlichem Druck auf die Versorgungssituation.
Der Stromterminmarkt bewegte sich in der vergangenen Woche in einer engen Handelsspanne. Nach einem Wochentief von 91,93 €/MWh am Freitag legte das Frontjahr zum Wochenauftakt wieder leicht auf 92,30 €/MWh zu. Insgesamt deutet die Entwicklung derzeit eher auf eine Konsolidierung als auf eine klare Richtungsentscheidung hin.
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Trotz der einsetzenden Wetterberuhigung bleibt der Spotmarkt äußerst volatil. Die teuerste Viertelstunde erreicht heute (30.06.) zwischen 20:45 Uhr und 21:00 Uhr einen Preis von 536,72 €/MWh. Damit blieb der Höchstwert zwar unter dem Extremniveau der Vorwoche (747,10 €/MWh), verdeutlicht aber erneut, wie schnell wetterbedingte Engpässe zu erheblichen kurzfristigen Preisausschlägen führen können.
Unsere Einschätzung
Nach der jüngsten Korrektur scheint der Markt zunächst Orientierung zu suchen. Entscheidend wird sein, ob die geopolitische Entspannung Bestand hat und das Wetter in Europa den Strommarkt weiterhin entlastet.
Die jüngste Marktberuhigung steht auf wackeligen Beinen. Die erneuten Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran ließen die THE-Notierungen zum Wochenauftakt wieder steigen und erinnerten daran, wie fragil die Lage im Nahen Osten weiterhin ist. Gleichzeitig verschärft die Hitzewelle in Asien den Wettbewerb um LNG: Europas Importe gingen zuletzt spürbar zurück, während die steigende Kühlnachfrage im asiatisch-pazifischen Raum das verfügbare Angebot zunehmend bindet.
Der Gasterminmarkt hat seine Abwärtsbewegung vorerst unterbrochen. Nach dem Wochentief von 35,41 €/MWh zog das Frontjahr THE zum Wochenauftakt wieder auf 36,04 €/MWh an. Auslöser waren erneute Spannungen im Verhältnis zwischen den USA und dem Iran.
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Der Gas-Spotmarkt zeigte sich zuletzt etwas entspannter. Mit aktuell 43,81 €/MWh notiert der Jahresdurchschnittspreis leicht unter dem Juni-Mittel von 45,13 €/MWh, bleibt jedoch weiterhin oberhalb des Vorjahresniveaus. Die jüngste Entspannung ist damit zwar sichtbar, von einer nachhaltigen Normalisierung kann jedoch noch keine Rede sein.
Unsere Einschätzung
Unsere Einschätzung bleibt unverändert. Die aktuelle Marktberuhigung bewerten wir als Momentaufnahme. Für das Frontjahr überwiegen weiterhin die Risiken steigender Notierungen.
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Hinweis: Der Energiemarktbericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Beratung noch ein Angebot zum Kauf von Energie dar. Wir empfehlen eine individuelle, auf Ihr Verbrauchsverhalten bezogene Beratung durch Ihren Ansprechpartner. Datenstand: 01.07.26